Leschetizky World Congress in Bad Ischl

Leschetizky World Congress in Bad Ischl

Auf Initiative des Ischler Bürgermeisters Hannes Heide fand Anfang Oktober zum ersten Mal ein Leschetizky World Congress in Bad Ischl statt

Das Gala Konzert, viele Vorträge sowie eine Opernpremiere im historischen Lehártheater machten ein breiteres Publikum aufmerksam auf das Leben und Werk des polnisch-österreichischen Pianisten, Komponisten und Musikpädagogen Theodor Leschetizky. Zahlreiche bekannte Pianisten gehörten zu seinen Schülern wie Ignacy Jan Paderewski, Artur Schnabel, Elly Ney, Benno Moiseiwitsch, Alexander Brailowsky, Ethel Leginska. Leschetizky war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Klavierpädagogen seiner Zeit. Um 1899 unterrichtete er unter anderem auch die Sängerin Clara Clemens, die Tochter von Mark Twain. „Die wenigsten von uns wissen, dass Mark Twain aus diesem Grund nach Bad Ischl kam“, so Bürgermeister Hannes Heide bei der Eröffnung des Gala Konzertes am 3. Oktober im vollen Kongress- und Theaterhaus. Musikdirektor des Kongresses, Dirigent der New Cosmos Philharmoniker und Solist im Leschetizkys Klavierkonzert in C-Moll op. 9 Peter Ritzen wählte ein majestätisch-pompöses Programm für das Gala Konzert aus. 
Wer die Klavierkonzerte von Schumann, Mendelsohn, Chopin, Grieg, Brahms und Tschaikowski kennt, wird sich von Leschetizkys Klavierkonzert nicht so leicht begeistern lassen. So sehr sich Leschetizky für einen klaren und singenden Ton in seinem Unterricht einsetzte, mit dem man die Herzen der Menschen gewinnen kann, so wenig gelang es ihm in der großen Form des Instrumentalkonzertes klare und singende Themen zu schaffen. Sein einziges Klavierkonzert in C-Moll hat einen Satz und erinnert viel mehr an eine ausgedehnte Etüde: Zu sehr konzentrierte sich der Komponist auf Tonleitern. Pianist Peter Ritzen spielte Leschetizkys Klavierkonzert nach 1993 und 2015 – zum Leschetizkys 100. Todestag – das dritte Mal in Bad Ischl. Die Herzen des Publikums gewann der Dirigent Peter Ritzen jedoch mit Brahms und Tschaikowski. Als Johannes Brahms 1879 die Ehrendoktorwürde der Universität Breslau verliehen wurde, bedankte er sich mit der in Ischl komponierten Akademischen Festouvertüre, in deren hymnischem Schluss er das „Gaudeamus igitur“ im großen Orchester erklingen lässt. Text und Melodie des Liedes bilden heute eine Einheit und erfreuen sich in vielen Ländern der Welt hoher Wertschätzung in akademischen Kreisen. Die Ouvertüre solennelle „1812“ op. 49 ist ein Werk von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, das den Sieg Russlands in den Napoleonischen Kriegen 1812 darstellt, in dem die französische „Marseillaise“ erklingt. Den Abschluss bildet die russische Zarenhymne „Gott erhalte den Zaren“ von Alexei Lwow, die von Blechbläsern unterstützt wird. Zum Einsatz kamen hier Lehrer und Schüler der Ischler Musikschule. Zwischen Brahms und Tschaikowski gab es auch ein Stück Lyrik: Die New Cosmos Philharmoniker beeindruckten mit einem eigenen Arrangement von Ritzen des Duettes „Lippen schweigen“ aus der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár. 

Die Ouvertüre aus der Oper „Die erste Falte“ von Theodor Leschetizky machte neugierig auf den zweiten Kongresstag und die Opernpremiere. Am 4. Oktober begeisterte Pianist Ralph Petruschka mit drei Klavierminiaturen von Theodor Leschetizky in der Trinkhalle Bad Ischl: „Les deux Alouettes“ op. 2/1, „Souvenir d’Ischl“ op. 35/2 und „La piccola“ op. 43/2. Spätestens ab diesem Moment kristallisierte ein feiner romantischer Klavierstil heraus. Leschetizky ist ein Meister der kleinen Instrumentalformen! Seine Lieder sind auch von großer Qualität. Ein Beweis dafür waren die vorgetragenen Leschetizkys Lieder von Barbara Pavelka (Sopran) und Dr. Werner Pelinka (Klavier): „Frage nicht, warum“ op. 32/3, „Zwei Wölkchen spielten auf sonniger Au“ op. 32/5 und „Das Waldvöglein“ op. 32/6. Unter den Referenten am 4. Oktober stachen Prof. Adam Wibrowski, Präsident der Paderewski-Gesellschaft Paris und Prof. Hubert Rutkowski, Präsident der Leschetizky-Gesellschaft Warschau und Fachbereichsleiter Klavier an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg heraus. Beide widmeten sich Themen über Leschetizkys Schüler und die Klavierkunst des großen Pädagogen. 

Die große Überraschung des Kongresses war jedoch die Oper „Die erste Falte“ von Leschetizky. Vier Gesangssolisten und eine Pianistin interpretierten meisterhaft Leschetizkys Singspiel für Sopran (Martina Jäger), Mezzosopran (Uta Buchheister), Tenor (Thomas Jakobs) und Bariton (Joachim Herrmann). Die spannende Handlung, die sehr gute Pianistin (Aglaia Bätzner), Stimmen, welche sehr gut zueinander passen und die gelungene Regie sorgten für einen außergewöhnlichen Abend im Lehártheater. Leschetizkys einzige Oper mit Libretto von Salomon Hermann Mosenthal gilt als absolute Rarität, landete zu Unrecht in der Schublade und wurde erst zum 100. Todestag des Komponisten von der Karlsruher Salonoper wiederbelebt: Eine bedeutende Premiere für Bad Ischl von hohem Wert. Und übrigens: Leschetizkys Klavier, ein „Bösendorfer“ aus dem Jahr 1882, kehrte nach Polen zurück. Viele Musikliebhaber kamen vor einigen Tagen nach Posen (Polen) um das unbezahlbare Instrument anzuhören. Noch viel unbekannte oder wenig bekannte und wunderschöne Musik wartet darauf, entdeckt und gespielt zu werden. 

Noch mehr Forscher und Interpreten sollen in Zukunft nach Bad Ischl kommen. Wir sind dafür verantwortlich, Leschetizkys Musik und Werk für das Musikgedächtnis der kommenden Generationen aufzubewahren und zu pflegen. Denn hier handelt es sich nicht nur um ein Stück Ischler Musikkultur, sondern um einen Teil der Weltmusikkultur. 

Quelle/Text /Fotocredit: Yuliya Atzmanstorfer
 

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