Donnerstag 18. Juli 2019
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„Salzträger“ für einen, der mit Liebe stilvoll renoviert: Paul Lintner

GMUNDEN - Mag. Paul Lintner, Projektentwickler aus Perchtoldsdorf,  hat zwei denkmalgeschützten Ensembles ihre historische Substanz und Außenwirkung gelassen und ihnen zugleich mit qualitätsvollen Wohnungen neues Leben eingegeben

Mag. Paul Lintner, Projektentwickler aus Perchtoldsdorf,  hat zwei denkmalgeschützten Ensembles ihre historische Substanz und Außenwirkung gelassen und ihnen zugleich mit qualitätsvollen Wohnungen neues Leben eingegeben.

In beiden Fällen handelt es sich um denkmalgeschützte Häuser und Hausensembles. Es ist ein bemerkenswertes Detail der Hausgeschichten, dass die einstigen Eigentümer bei der Unterschutzstellung 1974 dagegen Berufung einlegten, die historische und kulturelle Bedeutung herunterspielten oder gar verneinten und darüber klagten, dass dieser Akt eine „beträchtliche Wertminderung“ mit sich bringe oder einen „ganz erheblichen Eingriff in das Eigentumsrecht“ darstelle.
Paul Lintners Revitalisierungen verkehren zumindest eine dieser Befürchtungen ins Gegenteil. Beide Häuser haben dadurch enorm an Wert gewonnen. Lintner begreift, dass diese Objekte den historischen Charakter der Stadt Gmunden prägen und ausmachen. Er transferiert ihren ganzen Charme und ihre Schönheit ins 21. Jahrhundert und füllt sie wieder mit Leben. 
„Wer nur Profit machen will, tut sich derart aufwändige Renovierungen nicht an. Bei Herrn Lintner kommt denkmalpflegerische Liebe mit ins Spiel“, meint GR Dipl.-Ing. Otto Kienesberger (Grüne Gmunden), dessen Fraktion die Auszeichnungen vorgeschlagen hatte. Der Gemeinderat hat die Verleihung einstimmig beschlossen.

Baustadtrat Dipl.-Ing. Reinhold Kaßmannhuber erläuterte, wie die Kooperation mit Paul Lintner aufwändiger, aber auch erfolgreicher war als bei vielen anderen Projekten. Um die Revitalisierung des historischen Gebäudes zu unterstützen, ließ die Stadt im Hinterhof eine dichte Bebauung mit Neubauten zu. Deren Ertrag sollte den Mehraufwand für die Renovierung aufwiegen. Es bedurfte mehrerer Sitzungen mit dem Gestaltungsbeirat und dem Bundesdenkmalamt, bis das Gesamtprojekt fertig entwickelt war.

Schleisshaus, Theatergasse 14-16 – Das bauliche Herz der Keramikstadt-Historie Gmundens
Dieses Doppelhaus, früher „Seestadtl“ genannt, ist gewissermaßen das Herz der Keramikstadt Gmunden, war es doch Sitz und Werkstätte der Familie Schleiss. Hier arbeiteten nicht nur die weithin geschätzten Gmundner Hafner, sondern auch Jugendstil-Künstler der Wiener Werkstätten wie Michael Powolny und Dagobert Peche oder später Franz von Zülow. Ihre Arbeitgeber, Franz und Emilie Schleiß, gründeten später auch die weltbekannte Gmundner Keramik Manufaktur.
Das Haus Theatergasse 16 stand von 1542 bis 1789 im Besitz von Bäckern, 1789 erwarben es die Hafner Josef und Ursula Prein, die damals schon das Nebenhaus Theatergasse 14 besaßen. In diese Zeit fällt die Adaptierung und die Gestaltung einer gemeinsamen Fassade für beide Häuser. Das Denkmalamt nennt das Doppelhaus ein „Dokument eines typischen renaissancezeitlichen Gmundner Hauses“ mit großartigen Details wie dem Stichkappentonnengewölbe im Erdgeschoßflur, einem rundbogigen Portal aus der Zeit um 1600 oder josefinischen Türen im 1. Stock.

„Seilerhaus“, Linzerstraße 12-14, 18 – ein reizvoll unregelmäßiges Biedermeier-Ensemble
Dieser Bau wird 1620 erstmals genannt. Von 1639 – 1827 besaßen Seiler und in der Folge Färber das Haus mit der Nr. 12. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zur Vereinigung mit den  Nachbarhäusern 14 und 18, die zusammen einen heimeligen, verwinkelten Innenhof bilden. Aus der Zeit des Zusammenschlusses stammt auch die qualitätsvolle Biedermeierfassade. Ein großer Reiz dieses Ensembles ist seine Unregelmäßigkeit und die Art und Weise wie es der Straßenkrümmung folgt und damit die Linzer Straße prägt.

Quelle: Stadtamt Gmunden
Bilder: Otto Kienesberger